Wer schon mal eine Tüte Sonnenblumenkerne gekauft hat, ist bestimmt schon über die Bezeichnung "Dakota" gestolpert. Und kaum ein Sport ist so eng mit dem Sonnenblumenkern verbunden wie Baseball, dort gehören sie seit Jahrzehnten einfach dazu.
Was bedeutet "Dakota" bei Sonnenblumenkernen?
"Dakota" bezeichnet eine gestreifte Sonnenblumenkern-Sorte, die gezielt als Knabber-Kerne gezüchtet wurde, nicht zur Ölgewinnung. Im Vergleich zu den kleineren, schwarzen Ölkernen sind Dakota-Kerne größer, haben eine etwas festere Schale und einen kräftigeren Geschmack. Schwarze Kerne werden wegen ihres hohen Ölsäureanteils vor allem für die Ölproduktion verwendet, während Dakota-Kerne genau für das gemacht sind, was man mit ihnen am liebsten tut: knacken und snacken.
Sonnenblumenkerne im Baseball: vom Tabak zum Kern
Besonders spannend ist die Geschichte der Kerne im Baseball. Früher kauten viele Spieler während des Spiels Tabak, unter anderem, um den Mund feucht zu halten. In den 1950er-Jahren griffen Spieler wie Stan Musial und Enos Slaughter erstmals zu Sonnenblumenkernen als Alternative. Richtig durch setzte sich der Trend aber erst 1968, als der junge Reggie Jackson bei den Oakland Athletics ständig eine Tüte Kerne im Dugout dabei hatte. Weil Jackson bei Fans und Nachwuchsspielern extrem beliebt war, wollten plötzlich alle es ihm gleichtun, und die Nachfrage nach Sonnenblumenkernen im Baseball explodierte. Bis heute gehören Kerne zum festen Ritual in praktisch jedem Dugout, sie helfen, während der langen Spiele die Hände und den Kopf beschäftigt zu halten, und für manche Spieler sind sie inzwischen auch ein kleiner Glücksbringer geworden.
Der Trick mit dem Knacken
Wer es zum ersten Mal versucht, verzweifelt oft an der Schale. Der Trick: den Kern seitlich, leicht schräg, zwischen die Vorderzähne legen und mit sanftem, kontrolliertem Druck knacken, nicht kräftig zubeißen. Mit der Zunge lässt sich der Kern dann von der Schale lösen, die Schalenhälften spuckt man aus. Geröstete Kerne haben meist eine dünnere, spröde Schale, hier reicht schon wenig Druck. Mit etwas Übung geht das erstaunlich schnell, nur sollte man es nicht übertreiben, ständiges kräftiges Knacken belastet auf Dauer die Zähne.
Sonnenblumenkerne weltweit: ein Snack mit globaler Bedeutung
Kaum ein anderer Snack ist über so viele Kulturen hinweg fest verankert wie der Sonnenblumenkern. In Russland und der Ukraine heißen sie "semetschki" und sind seit Generationen fester Bestandteil des Alltags, ob beim Spaziergang, im Gespräch mit Nachbarn oder einfach nebenbei. In der Türkei kennt man sie als "çekirdek", verkauft an Straßenständen und in jeder Kiosk-Tüte zu finden. Auf dem Balkan, etwa in Bulgarien, Serbien oder Rumänien, gehört das Knabbern von Kernen ganz selbstverständlich zum Straßenbild.
Besonders bemerkenswert ist die Bedeutung in China, wo geröstete Kerne unter dem Namen "guazi" (瓜子) eine lange Tradition haben. Gerade zum chinesischen Neujahrsfest gelten sie als beliebtes Mitbringsel und Symbol für Wohlstand, das gemeinsame Knacken der Schalen gehört fest zu Feierlichkeiten und geselligem Beisammensein dazu. In Spanien und weiten Teilen Lateinamerikas sind sie als "pipas" ein beliebter Straßensnack, im Iran werden sie unter dem Namen "tokhme" verkauft, meist geröstet und leicht gesalzen.
Vom Dugout eines Baseballstadions bis zum Neujahrsfest in China: Sonnenblumenkerne sind längst mehr als ein Snack zwischendurch, sie sind ein Stück gelebte Alltagskultur rund um den Globus, das man am besten selbst mal ausprobiert.